Warum Process Mining in der Internen Revision immer relevanter wird

Die Interne Revision bewegt sich zunehmend in einem Spannungsfeld: Das digitale Datenwachstum nimmt kontinuierlich zu, Geschäftsprozesse werden komplexer und differenzierter, während die verfügbaren Prüfungsressourcen häufig konstant bleiben. Klassische Prüfungsansätze stossen dabei immer häufiger an ihre Grenzen.

Process Mining bietet hier einen datengetriebenen Ansatz, um dieser Entwicklung zu begegnen. Die Technologie analysiert die in IT-Systemen entstehenden digitalen Spuren und rekonstruiert daraus die tatsächlich gelebten Prozessabläufe. So entsteht ein objektives Bild der Prozessrealität – weit über Stichproben und Einzelfälle hinaus.

Grenzen klassischer Prozessaufnahmen

Methoden wie Interviews, Beobachtungen, Dokumentenanalysen oder Workshops bleiben wichtige Bestandteile der Revisionsarbeit. Dennoch basieren sie typischerweise auf:

  • statischen Momentaufnahmen,
  • subjektiven Einschätzungen,
  • begrenzten Datenräumen,
  • der Betrachtung von Zuständen statt tatsächlichen Prozessverläufen.

Damit bilden sie häufig eher das „Soll-Verständnis“ eines Prozesses ab als dessen reale Ausführung im Tagesgeschäft.

Process Mining ergänzt diese Perspektive um eine objektive, datenbasierte Sicht auf das „Ist“. Aus Sicht des Prozesslabors ist es daher ausdrücklich kein Ersatz klassischer Methoden, sondern deren konsequente Weiterentwicklung.

Branchenunabhängig einsetzbar

Process Mining ist unabhängig von Branche, Unternehmensgrösse oder Prozessart einsetzbar. Ob Industrie, Finanzdienstleistung, Handel, Gesundheitswesen oder öffentliche Verwaltung – überall dort, wo digitale Prozessdaten entstehen, lässt sich Mehrwert generieren.

Dies gilt gleichermassen für:

  • Kernprozesse (z. B. Purchase-to-Pay, Order-to-Cash),
  • Unterstützungsprozesse (z. B. HR, IT, Finanzen),
  • Governance- und Führungsprozesse (z. B. Genehmigungen, Compliance, Risiko- und Kontrollprozesse).

Process Mining entlang des Audit-Zyklus

Risikoorientierte Prüfungsplanung

Bereits in der Prüfungsplanung unterstützt Process Mining dabei, Risiken datenbasiert zu identifizieren und Revisionsschwerpunkte gezielter und objektiver festzulegen.

Prüfungsdurchführung

In der Prüfungsdurchführung ermöglicht Process Mining die Analyse vollständiger Datenpopulationen. Prozessabweichungen, Kontrollumgehungen, ineffiziente Abläufe oder ungewöhnliche Varianten werden schneller sichtbar und belastbarer bewertbar als mit klassischen Stichproben.

Follow-up und Massnahmenverfolgung

Auch nach Abschluss einer Prüfung unterstützt Process Mining die Interne Revision bei der Überwachung von Massnahmen. Die Wirksamkeit von Korrekturen kann datenbasiert überprüft und nachhaltig nachvollzogen werden.

Relevanz für die IIA-Standards

Process Mining unterstützt zudem zentrale Anforderungen der IIA-Standards unmittelbar:

  • Standard 2310 – Identifikation von Informationen: Sicherstellung ausreichender, relevanter und verlässlicher Informationsgrundlagen.
  • Standard 2320 – Analyse und Bewertung: Strukturierte und datenbasierte Analyse grosser Informationsmengen.
  • Standard 1220 – Berufliche Sorgfaltspflicht: Angemessene Auswahl moderner Methoden und Technologien zur wirksamen Prüfungsdurchführung.

Gerade im Kontext von Datenwachstum und zunehmender Prozesskomplexität wird Process Mining damit zu einem wichtigen Enabler moderner Revisionsarbeit.

Fazit

Die Interne Revision steht vor der Herausforderung, mit oftmals gleichbleibenden Ressourcen immer mehr Daten, Prozesse und Geschäftsvorfälle zu bewerten. Process Mining schafft hier einen entscheidenden Hebel: Die Technologie macht reale Prozessabläufe transparent, unterstützt eine risikoorientierte Prüfungsplanung, verbessert die Prüfungsdurchführung und stärkt das Follow-up.

Damit wird Process Mining zu einem zentralen Baustein einer modernen, datengetriebenen Internen Revision – nicht als Ersatz klassischer Methoden, sondern als deren wirkungsvolle Ergänzung.

Die Prozesslabor GmbH unterstützt Sie gerne dabei, die Potenziale von Process Mining für Ihre Interne Revision zu erschliessen, geeignete Anwendungsfälle zu identifizieren und datengetriebene Prüfungsansätze erfolgreich in Ihrer Organisation zu etablieren. Gemeinsam kann aufgezeigt werden, wie Process Mining klassische Revisionsmethoden sinnvoll ergänzt und Ihre Revision zukunftsfähig aufstellt.

Weitere Fachbeiträge

ABPMP oder OCEB? Welche Prozessmanagementzertifizierung passt zu Ihnen?

Von Daten zu Wirkung: Sieben zentrale Erkenntnisse aus jahrelanger Process Mining Praxis

Warum „A Process Mining Success Factors Model“ (2022) zu den relevantesten Studien für erfolgreiche Process-Mining-Initiativen gehört

Prozessmanagement neu denken – mit LEGO® SERIOUS PLAY®

Wie viele Prozessdaten wirklich nötig sind – eine praktische 4×5-Faustregel im Process Mining 

Process Mining mit R: Mit drei Paketen zu ersten Prozesserkenntnissen – ganz ohne teure Tools